Sonntag, 12. Februar 2012

Das Monster Santiago

16.00 h, Barrio Quilicura, Santiago de Chile. Definitiv mehr als 30 Grad. Dennoch gehts ab ins Zentrum. Schnell noch eine Busfahrkarte am kleinen Laden an der Ecke gekauft und dann, warten in der prallen Sonne. Es ist heiss hier in Santiago. Sehr heiss. Aber anders als in Spanien sind hier miottags etliche Leute unterwegs. Da kommt ein Bus und unsere einheimische Fuehrerin weist darauf hin, dass das unserer ist. Wir steigen ein. Setzen uns hin und schon sind wir an der der naechsten Haltestelle. Menschen steigen ein. Viele Menschen. Der Bus ist voll und heiss. Knappe 40 Grad vielleicht. Die Fahrt geht durch die Vorstaedte Santiagos. Heruntergekommene Haeuser soweit das Auge reicht. Und kleine Firmen. Chile hat fast keine Industrie. Der Grossteil der Menschen lebt von der Landwirtschaft oder von Dienstleistungen. Die meisten Gueter muessen aus den Nachbarlaendern importiert werden. Doch nur wenige koennen sich einen Einkauf in den riesigen Supermaerkten leisten. Hier geht die Schere deutlich auseinander. Es gibt nur eine kleine Mittelschicht. Das Haus in dem wir leben gehoert einem pensionierten Lehrerehepaar. Im Vergleich zu Deutschland ist es winzig. Aber die Menschen sind zufrieden, mit dem was sie haben. Obwohl sie wissen, dass es ihnen besser gehen koennte. "Das Problem", so die Tochter des Hauses, "ist die Politik. Sie wird von der kleinen reichen Oberschicht bestimmt."
Als wir das Zentrum erreichen fallen mir fast die Augen aus dem Kopf. Eine Millionen Stadt, mit Haeuserschluchten, riesigen Plaetzen und einer Prachtstrasse im Zentrum, der Avenida Almedha. Von weiten erkennt man die riesige Flagge Chiles, die ueber dem Platz der Unabhaengigkeit weht. Hier ist ploetzlich alles modern. Schnell noch Geldwechseln.
In den Strassen ist die Hoelle los. In Abstaenden von vielleicht 10 Metern kann man alle moeglichen Dinge kaufen. Unter anderem Mani, das sind kandierte Erdnuesse. Generell scheint es hier eine andere Strassenkultur zu geben. In einem Schuhladen suchen wir Latschen, um endlich aus unseren Wanderkloetzen rauszukommen. Sie werden in grossen Auslagen angeboten zu hunderten. Und billig. Wir kaufen uns ein paar Bastlatschen fuer 3000 Pesos, umgerechnet 4 Euro. Danmit sind wir sehr zufrieden. Es hat auch Zeit gekostet etwas in unserer Groesse zu finden. Die Maenner hier sind im Durchschnitt einen ganzen Kopf kleiner als wir. Da wird schon mal erstaunt hinterhergeguckt. Aber man erkennt uns auch sofort als Touristen.
In einer kleinen Eisdiele kaufen wir uns einen Becher Eis und setzen uns in den Park. Die gibts naemlich auch. Man geht etwa 10 Minuten aus dem Zentrum in eine Richtung und ploetzlich ist alles ruhig. Ich esse einen Loeffel Bananeneis mit Palmhonig. Wahnsinn. Unsbeschreiblich. Das schmeckt mehr nach Banane als alle Bananen, die ich je gegessen habe zusammen. Ein Mann laeuft durch den Park und schreit laut: "Aquita, Aquita, LADOLADOLADOLADO!" Erstaunt drehe ich mich zu unserer Gastgeberin um. Sie lacht und erklaert: "Wasser und Eis!". In Chile wird alles abgekuerzt und verniedlicht. Wir haben echte Schwierihgkeiten, etwas zu verstehen, wenn die CHilenen nicht extra langsam sprechen.


Dann machen wir uns auf zum Cerro Santa Lucia. EInem der sieben Huegel, auf denen Santiago erbaut wurde, koennte man sagen. Zuerst war es eine Kultstaette, dann ein Kloster, spaeter eine Fetsung und jetzt Ausflugsziel fuer alle Touristen, sowie ortsansaessigen Raeuberbanden. Ganz oben gibt es einen Aussichtsturm.
Um uns herum erheben sich die Auslaeufer der Anden. Am Horizont liegt Schnee auf den Gipfeln und wir realisieren, was fuer ein Gigant diese Stadt doch ist. In der Tat ist Santiago das Ballungsgebiet Chiles. Hier wohnt ein Drittel der 16 Mil. Einwohner Chiles. Dabei erkennt man deutlich die wo welche Schicht zu Hause ist. In einem Viertel wohnt die reiche Oberschicht, im anderen die Unterschicht, klar getrennt. Dabei kann es sein, dass die armen Arbeiter nie ins Zentrum kommen. Warum auch, hier gibt es nichts fuer sie. Wir sind etwas ueberfordert. So gross haben wir es uns einfach nicht vorgestellt. Ein Wachmann ruft uns zu, dass der kleine Park im Kolonialstil jetzt schliesst und wir machen uns auf ins Fiestaviertel Bellavista.
Bellavista ist das Ausgehviertel Santiagos. Eine Bar reiht sich an die andere. Ueberall sitzen die Leute an Tischen auf der Strasse und teilen sich Bier aus 1 Liter - Flaschen. Bier scheint in zu sein in Santiago. Die Stimmung ist ausgelassen. Auch bei uns. Verkaufer und Musiker laufen herum. Die Stimmung ist grossartig. Ploetzlich ruft uns der Wirt zu. Jemand hat Jakobs Tasche gestohlen. Dank des Wirts hat er sie aber wieder fallen gelassen. Nichts fehlt. Ein heftiger Tag. Heute zwei Tage spaeter lachen wir darueber. Es war die erste Warnung. Bald werden wior uns von unseren unglaublich herzlichen Gastgebern verabschieden und uns in einen Bus setzen, der uns 600 km nach Sueden bringt, wo wir hoffen einen Anschluss nach Patagonien zu bekommen.

2 Kommentare:

  1. Schön wieder von Euch zu hören! Passt auf Euch auf
    und viel Glück bei der Weiterreise!
    Mama

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  2. Danke für die Fotos! So können wir noch ein wenig mehr dran teilhaben an eurer tollen Reise! Euer Schreibstil gibt einem das Gefühl dabei zu sein. Ich schmecke das leckere Bananeneis, ich schwitze mit euch und höre den Strassenhändler rufen:"LADOLADOLADO!" Danke dafür!
    Ich kann mir schon vorstellen, dass ihr euch erstmal in eurer neuen Welt einfinden müsst. Gefühlsachterbahn, oder! Passt auf euch auf!
    Bussi STeffi

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