Montag, 26. März 2012

2 Liter Tramperglueck bitte!

Und wieder sind wir ein Stueck weiter gekommen. In knapp 4 Tagen haben wir die knapp 700 km von Buenos Aires nach Cordoba geschafft. Leider hatten wir recht wenig Glueck beim Trampen und immer nur kurze Lifts ergattern koennen. Dafuer waren die Menschen, die wir kennenlernten umso interesannter. Da war zum Beispiel der nete Tankstellenbesitzer, der uns Schlafplatz mit Strom, Licht und Wasser zur Verfuegung stellte, der junge Familienvater, der sehr stolz auf seinen Mittelstand war, aber umso schlechter von der Regierung sprach oder der Gaertner, der nach einem Herzinfarkt nicht mehr arbeiten konnte. Letzterer hat uns in seinem rostig rauchenden Fiat Kastenwagen mitgenommen. Er hate nur einen Sitzplatz, da hat sich Jakob einfach auf meinen Schoss gesetzt und seinen Oberkoerper, wie ein lustiger Hund, der Spass am Autofahren hat, aus dem Fenster gestreckt. Glueck hatten wir dan vor allem in Venudo Tuerto. Das war ein agrarisches Provinzkaff, sowas gibt es in Europa nicht mehr. Nachdem wir direkt am Kreisverkehr genaechtigt haben und unsere 2 Liter Weisswein aus dem Karton fuer schlappe 9 Pesos (2 Euro) noch spuerten, standen wir kaum eine Stunde und ein Camionero (LKW-Fahrer) hielt an, fragte uns wo wir hin wollen, liess uns einsteigen, fragte uns ob wir Gras dabei haben und war dann sichtlich enttaeuscht, ob unserer Verneinung. Er zeigte sich aber sehr grosszuegig, lud uns zum Essen ein und es stellte sich heraus, dass er sehr belesen war. Waehrend sich Jakob auf dem Bett hinten einem tiefen Nickerchen unterzog, erzaehlte mir der Lasterfahrer seine halbe Lebensgeschichte. Interessant wurde es aber erst richtig, als ich ihn nach den Falklandinseln fragte. Auch, wen es zuerst den Anschein hat, als ob das ein rotes Tuch ist, haben viele Argentinier eine sehr differenzierte Meinung darueber. Besagter Lasterfahrer war zum Beispiel der Ansicht, dass dieser Krieg zum einen natuerlich aufgrund des Oels gefuehrt wurde, weshalb GB auch zurueckschlug, zum anderen bericherte der Krieg aber argentinische Industrielle, welche, die in Lizenz gefertigten (auch britischen Waffen) an das eigene Land verkauften und sich so eine golden Nase verdienten. Trotzdem bleiben die Islas Malvinas eine Frage des Patriotismus und jeder Argentinier weiss, sie gehoern zu Argentinien.
Abgesetzt wurden wir dann 3 km ausserhalb von Villa Maria. Besagte 3 km durften wir dan mit unserem Gepaeck ins Zentrum latschen, um noch eine Bus nach Cordoba zu bekommen. Natuerlich begann es zu regnen. Aber wir haben es geschafft und wollten uns heute ein paar der vielen Museen anschauen fuer die Cordoba so bekannt ist. Die haben Montags aber alle geschlossen. So blieb uns nurnoch ein Stadtspaziergang und ein kleiner Einkauf fuer den Abend. Heute steht mal wieder Gemuese auf der Speisekarte, nachdem wir uns 4 Tage von Weissbrot und Reis ernaehrt haben. Danach werden wir wohl die lokale Barkultur erkunden.
Auf der Karte koent ihr unsere Route nachvollziehen. Blau haben wir in den letzten vier Tagen geschafft.
FAZIT: Trampen in Argentinien lohnt sich und macht echt Laune. Vor allem muss man sich nicht so oft waschen...


getrampt auf einer größeren Karte anzeigen

Donnerstag, 22. März 2012

Es geht weiter...

/...unsere Zeit hier in Buenos Aires ist vorueber. Aber es muss weiter gehen. Gerade sind wir im Begriff uns nach Retiro aufzumachen, dem riesigen Busbahnhof, von wo aus hoffentlich ein Bus in die Pampa faehrt. Von einem Kaff namens San Antonio de Acero wollen wir dann weiter nach Westen, Richtung Mendoza. Wundert euch also nicht, wenn mal wieder Funkstille herrscht. Wir fahren jetzt direkt ins Nichts.

GO WEST!

Dienstag, 20. März 2012

Und jetzt?

Also, diese Israelis sind echt witzig. Hocken den ganzen Tag im Hostel und Kiffen. Nur Abends gehts raus um zu feiern. Hallo! Wir sind hier in Buenos Aires!

Auf der rechten Seite habt ihr nun die aktualisierte Map, in der ihr die getrennten Routen betrachten koennt, die Jakob und Ich in den letzten Wochen genommen haben. Rot steht fuer Jakob, gruen steht fuer mich.

Morgen werden wir diese gewaltige Stadt wieder verlassen, wenn das Wetter mitspielt und uns ins Landesinnere aufmachen. Je nachdem, wie gut unsere Lifts sind, koennten wir morgen schon in Mendoza sein. Dort werden wir uns mal wieder ein bisschen Natur goennen.

Gestern waren wir im Waffenmuseum von Buenos Aires. xD Ist auf jeden Fall einen Blick wert. Man merkt deutlich, welch grossen Einfluss das Militaer auf die Geschichte Argentiniens hatte.
So ist es auch nichts besonderes, das die Malvinas (zu englisch: Falklandinseln, aber das darf man hier nicht sagen) fuer jeden Argentinier, als besetzt gelten und auf jeder argentinischen Karte, als argentinisches Hoheitsgebiet unter Verwaltung der Provinz Feuerland gezeigt werden. In Ushuaia, dem naechstgelegenen Seehafen auf dem Festland, duerfen bis heute keine englischen Schiffe anlanden. Es ist ein heikles Thema und man muss aufpassen, was man sagt. In jeder Stadt gibt es Kriegsdenkmaeler und irgendwelche militaerischen Exponate, die was mit den Malvinas zu tun haben. Das ist noch nicht gegessen. Noch immer ist das Militaer in Argentinien sehr stark vertreten und es wuerde mich nicht wundern, wenn der Konflikt neu entbrennen wuerde. Immerhin sind die Falklandinseln ein Sprungbrett in die Antarktis und nahe den argentinischen Oelfeldern.

Montag, 19. März 2012

Der Moloch hat uns

Hier ist er wieder: Der immer weniger aktuelle Erlebnisbericht zweier planloser Vagabunden, die sich ohne auch nur die geringste Ahnung gehabt zu haben, was auf sie zukommt, durch Suedamerika schlagen. Ja, Deutsch ist eine schoene Sprache, genauso wie das Hebraeisch, was wir uns grade tagein tagaus anhoeren.
Wir sind letztendlich doch in Buenos Aires angekommen. Zwar jeder auf seinem eingenen Weg und es wuerde viel Zeit benoetigen alles zu erzaehlen, aber wir haben es geschafft. Belassen wir es mal bei folgender Aussage: Es ist ein Erlebnis von einem argentinischen Lasterfahrer ein Stueck mitgenommen zu werden. Was jedem Einzelnen von uns auf seiner Reise passiert ist, muessen wir euch schon persoenlich erzaehlen. Vielleicht eins noch: Das Gras in Suedamerika ist anders.
Ich war bereits 2 Tage vor Jakob in Buenos Aires und habe ihn in unserem schoenen Hostel Estoril, welches hauptsaechlich von Israelis besucht wird und in dem fast ausschliesslich Hebraeisch gesprochen wird erwartet. Nach einem ausfuehrlichen Erkundungsspaziergang durch die Innenstadt, hat man sich schnell an das eigentuemliche Flair dieser Stadt gewoehnt und bemerkt, dass dieser monstroese Klotz von Stadt (immerhin 16 Mio. Einwohner) ganz angenehm sein kann. Buenos Aires wurde schon oft als das Paris Suedamerikas bezeichnet und das trifft auch ganz gut zu. Der Verkehr ist bestimmt noch schlimmer, dafuer sind die Portenos (ja ich weiss da fehlt das ~ , aber das ist ne hebraeische Tastatur verdammt) viel entspannter. Gleichzeitig findet man hier eine kuenstlerische Boheme-Atmosphaere, wie in New York und eine jugendliche Underground und Partyszene, die sich leicht mit der Berlins messen kann. Die groesseren Avenidas sind mit Baeumen gesaemt und hin und wieder eroeffnet sich plkoetzlich eine Gruenflaeche, wenn man sich mal wieder in den Haeuserschluchten verirrt hat.
So nun aber mal Tacheles. Ich sass gestern beim Fruehstueck, etwas mies gelaunt aufgrund der Tatsache, dass ich schon wieder nicht ausschlafen konnte, was man nach einem 2500 km Roadtrip einfach mal moechte, da spaziert Jakob herein. Ein grossartiges Wiedersehen. Den Rest vom Tag verbrachten wir damit uns gegenseitig die Geschichten zu Erzaehlen. Am Abend ging es dann, nur, um mal wieder den Luxus zu geniessen, ins Kino. Ghost Rider 2. In 3D und natuerlich auf Spanisch. Ein Scheiss, aber eben genau unser Geschmack. Vom St.Patricksday war darauf im Irish Pub nichts zu spueren. Darum machten wir uns auf zurueck ins Hostel. Jakob war todmuede und legte sich bald schlafen. Doch wer liess sich dann von den Israelis breittreten noch mit auf ne Party zu gehen? Klar. Philipp. Mit 10 Israelis, alle schon gut zugedroent fuhr ich mit dem Taxi zu irgendeiner Adresse, die uns der Staff des Hostels verraten hatte. Vor einer unscheinbaren offenen Tuer sass ein Typ. "Ist hier die Party?"-"Die Fiesta de Trance? Si, claro. Habt ihr irgendwelche Drogen dabei? Nur Spass. Herein Herein und viel Spass." Ja so laeuft das in Buenos Aires. Der Tranceclub war in einer versteckten alten Kirche. Ueberall wurden Drogen verkauft, die Leute waren gut drauf und fuer Philipp war das Flashlight irgendwann zu viel, darum gings wieder nach Hause. Doch wen trifft er dann vor der Tuer? Die Israelis. xD Denen gings wohl aehnlich.
Um 6h war ich wieder zu Hause. Dabei hatte die Party eben erst angefangen. In Buenos Aires machen die CLubs erst um 1 h auf. Nur am Sonntag, da oeffnen sie schon um 15 h. Am Montag muessen ja alle wieder zur Arbeit. Gestern musste ich dann ein wenig ruhiger angehen. Erst am Spaetnachmittag begaben wir uns nach Palermo, ein gerade aufstrebendes Wohnviertel. Kaum aus der UBahn draussen, ist alles viel ruhiger. An einer Ecke fanden wir eine Eisdiele. Dort wurde das Eis per 1/4, 1/2 oder im ganzen Kilo verkauft und das war guuuuut. Durch Zufall schlenderten wir in den Botanischen Garten, einer gruenen Oase am Rande der Capital Federal. Von dort aus ging es weiter nach Palermo viejo, wo jeden Samstag und SOnntag ein Kuenstlerflohmarkt stattfindet. Livemusik, Bier und Argentinierinnen. Was will man mehr, wenn man Buenos Aires besucht?
So. Das war ein bisschen langweilig. Vor allem war das interessanteste ja die Anreise. Doch Jakob sollte euch das lieber selber erzaehlen. Lustigerweise, hatten wir beide unabhaengig voneinander sehr aehnliche Erlebnisse. Dabei wurde uns bewusst, wie freundlich und vor allem hilfsbereit die Argentinier sind. Das ist ein grossartiges Land, was wir bereisen. Man stellt sich in bruetender Mittagsonne an die STrasse, haelt den Daumen raus und es gibt immer jemanden der anhaelt und dieser jemand laedt einen dann auch noch zum Essen ein oder besorgt einen Schlafplatz.
Jetzt hagelt es. Es hagelt ploetzlich. WTF?

Samstag, 10. März 2012

ENTWARNUNG

Also der wuschlige ist jetzt doch wieder gesichtet worden...zumindest behaupten das so manche aus Buenos Aires. xD Nein Jakob gehts wirklich gut und er ist auf gutem Weg nach Iguazu. Ich bin ihm aber auf der Spur, hab jedoch weniger Glueck mit meinen Lifts. Uns gehts gut! Mehr gibts bald aus Buenos Aires zu hoeren!

Mittwoch, 7. März 2012

WANTED

Gesucht wird ein Typ, 1,80 gross, riesiger Wuschelkopf, laesst ab und zu ein Grunzen von sich.

Ja. Nach Ushuaia hat sich Jakob aus dem Staub gemacht. Er will nach Iguazu trampen. Zumindest war das die Idee. Jetzt habe ich seit 4 Tagen nichts mehr von ihm gehoert...
Ich habe mich mittlerweile auch nach Norden aufgemacht. Nachdem wir in Ushuaia per Mail erfahren haben, dass wir fuer unseren Unterhalt in Torres del Paine selbst aufkommen muessen, musste ich da nicht mehr lange nachdenken. Im grossen und ganzen war der Freiwilligendienst zwar ganz nett und wir haben viel vom Park gesehen, was sonst keinem Touristen vergoennt ist. Aber letztendlich waren wir normale Arbeiter, die auch noch dafuer zahlen sollen, den Campingplatz saeubern zu duerfen.
Ushuaia war echt schoen. Das Ende der Welt (eigentlich streiten sich Chile und Argentinien darum, denn nur Ushuaia ist eine Stadt im Gegensatz zu Puerto Williams auf chilenischer Seite, was nur aus ein paar zusammen gewuerfelten Haeusern besteht) liegt idyllisch von Andengipfel umsaeumt an einer grossen Bucht und ist...wie soll ich sagen...eben das Ende der Welt. Wir haben einen grossen Tagesausflug unternommen, inklusive Pinguinen und Seeloewen, das ganze Programm eben. Mein Kater, der sich gegen Mittag manifestierte hatte daran eben so grosse Freude. Die uebrigen Gaeste haben das ausgiebig auskosten duerfen. Falls ihr jemals die Moeglichkeit habt Pinguine in freier Wildbahn und aus der Naehe zu betrachten, stellt sicher, das ihr noch ein wenig Restalkohol im Blut habt. Die sind sooo witzig.
Jetzt sitze ich in El Calafate, das ebenso das Ende der Welt sein koennte. Das Staedtchen liegt am Lago Argentino, dem groessten See des Landes und ist der Zugang oder sagen wir das Einfallstor fuer ganze Horden von Touristen, die sich den bis zu 100 m hohen Gletscher "Perito Morreno" ansehen moechten. Warum? Gletscher gibt es doch ueberall, koennte man jetzt anmerken, aaaaaaber der Perito Moreno gehoert zu den wenigen Gletschern der Welt, die wachsen. Taeglich sogar um einige Zentimeter. Zusaetzlich kann man hier ein grossartiges Naturschauspiel beobachten. Etwa alle zehn Jahre  nachdem der Gletscher einen Teil des Sees vom uebrigen abgetrennt hat und sich das Wasser jahrelang stauen konnte, bricht das Eis mit einer gewaltigen Explosion. Leider hat dieses Ereignis schon letzten Freitag stattgefunden. Aber deshalb stehen die Chancen nun gut mal einen Gletscher Kalben zu sehen. Das ist natuerlich ein MUST, fuer alle, die durch Argentinien reisen.
Ich habe hier unser Zelt aufgeschlagen, das Jakob nicht mitnehmen wollte. Und ein zwei deutsche Studenten getroffen. Sie sind aus Bayern. Und ich glaube sie sind etwas komisch. Na jedenfalls habe ich Gesellschaft.
Ihr haettet mich sehen sollen, als ich vorher das Zelt aufbauen wollte. Hier muss es seit einer Ewigkeit nicht mehr geregnet haben, sodass ich die Heringe trotz aller Muehen nicht in den Boden bekommen habe. Drei Mal habe ich das Zelt umgestellt. Jetzt stehts. Dafuer muss ich in den naechsten Wochen neue Heringe besorgen.

Aus Calafate. Philipp Sattler

Die die Wachen vor Buckingham Palace...