Sonntag, 15. April 2012

Wie jetzt, "die Strasse ist gesperrt"?

In Mendoza haben wir uns ein bisschen rumgedrueckt und die Zivilisation genossen. Es ging auf die Feiertage zu, die Semana Santa war im Anmarsch, ebenso der 30. Jahrestag der gescheiterten Befreiung der Malvinas vom englischen Imperialismus. Wir hatten Paraden erwartet, Reden, Kundgebungen, Strassensperren, alte Veteranen, die von frueher erzaehlen, aber das einzige, was uns Mendoza bot, war ein lausiges Konzert von pubertierenden Bands und dicke Maedchen, die eine Erklaerung an England vorlasen, die England wohl eher wenig gekuemmert hat. Wenn die Argentinier auch Gaensehaut bei dem Thema Malvinas bekommen und ihre Bedeutung jederzeit in den hoechsten Toenen loben, so scheinen sie, wenns darauf ankommt, wohl nicht ganz bei der Sache zu sein. Viellleicht haben sie deshalb den Krieg verloren. Wir waren ein bisschen enttaeuscht, dennoch war die Stimmung auf Mendozas Strassen grossartig. Auf dem riessigen Stadtplatz, der mehr an einen Park erinnert, als an einen Platz, war ein buntes Treiben zu sehen. Artisten stellten ihre Kuenste zu Schau, Paerchen flanierten, Kinder plaerrten und auch die Dealer gingen ihrer gewohnten Beschaeftigung nach. Wir allerdings machten uns auf die Suche nach einem Stueck Fleisch, was wir mittlerweile wirklich noetig hatten. Am naechsten Tag ging es dann weiter nach Cacheuta. Wenn Nono ein Dorf war, war Cacheuta ein Weiler. Es liegt in einem kleinen, schroffen und staubigen Tal in den Auslaeufern der Anden und wird vor allem Wochenendausflueglern besucht. Eher selten sieht man hier zwei deutsche Backpacker. Kaum waren wir aus dem Bus ausgestiegen begruesste uns schon der Dorfdebile "Eric". Man merkt sofort, wenn die Menschen nicht so oft Auslaender zu sehen bekommen. Es ist ein interessantes Gefuehl staendig von irgendwem angestarrt zu werden. So fremd koennen wir doch gar nicht sein, war unser Gedanke. Cacheuta bewies uns das Gegenteil. Nachdem wir hinter der Dorfparilla (Parilla bedeutet Grill, bezeichnet aber auch die ueberall obligatorischen Grillrestaurants, in denen die Argentinier ihre taegliche Dosis Fleisch erhalten) unser Zelt aufschgeschlagen hatten, begann ein interessantes Schauspiel. Die ganze Dorfbevoelkerung begann wie zufaellig an dem kleinen Hinterhof vorbei zu spazieren. Vielleicht gingen sie auch nur ihrer ueblicen Beschaeftigung auf DER DORFSTRASSE nach, wir wurden zumindest gut observiert. Am witzigsten waren zwei Maedchen, die wir schon im Bus gesehen haben. Sie wichen den ganzen Abend nicht von ihrem Plaetzchen und behielten uns immer kichernd im Blick. Irgendwann wurde uns das Treiben zu bunt und als wir Eric kommen sahen fluechteten wir ins Bett.
Am naechsten Morgen, es war schon unglaublich heiss, begaben wir uns zur Hauptstrasse, die uns zum Pass fuehren sollte. An der Schranke mit dem kleinen Haeuschen angekommen, die den Dorfausgang markierte, kam uns schon der Strassenwaechter entgegen und erklaerte uns, dass die Strasse geschlossen sei. Wie jetzt "die Strasse ist gesperrt"? Wir dachten es waere die einzige Strasse zum Pass und da dies der meistbefahrenste Pass von Argentinien nach Chile war, guckten wir schon ein bisschen komisch aus der Waesche. Nein, da muessen wir wieder zurueck und....es wurde ein langer Tag. Doch er bescherte uns die nette Bekanntschaft mit einem Paerchen aus Uruguay. Er ein kleiner Mann etwa 30 mit 3Tagebart und kleinem Strohhut sah zum ersten Mal Berge in seinem Leben. Das wurde euch euf allen moeglichen Medien festgehalten und staendig mit dem lauten Schrei: MONTAÑAAAAAAAAAAAA! begleitet. Dieser Lift brachte uns zumindest in die richtige Richtung und an einen wunderschoenen Stausee in Potrerillos. Dort verbrachten wir 2 Tage bis es nach Uspallata weiterging. Hier wurde 7 Tage in Tibet ged(an dieser stelle uebernimmt jakob wieder) reht, anscheinend sollen die berge der umgebung aussehen wie das hochland im himalaya. ich kann nur sagen, dass es wunderschoen war, in tibet war ich noch nicht!
auf dem campingplatz in potrerillos wurden wir sogar bewacht: von lumpi, einem der ueberall rumgammelnden strassenhunde. mit diesem exemplar haben wir uns gut angefreundet, unser weinseliger schlaf wurde von ihm bewacht, man fuehlte sich wie in abrahams schoss...
uspallata, unsere naechte station, erreichten wir nach 15 minuten warten, da gings mal ausnahmsweise schnell!
hier verabschiedeten wir uns von argentinien, indem wir auf dem campingplatz einen kleinen asado bahielten, es stand wieder fleisch auf dem speiseplan!!!!
unsere abreise aus uspallata (uschpaschata wie die argentinier sagen) gestaltete sich wieder in gewohneter weise: wir warteten. diesmal an die fuenf stunden, aber dann gings los. ab in die anden, zum pass auf 3200 metern. gigantische viefarbige berge, der aconcagua, skigebiete. diese panorama vor4 augen, beschlossen wir, auf 3000 meter an der grenze zu uebernachten. tagsueber war es schon kuehl(kurze hosen und tshirt waren definitiv nicht angebracht, in uspallata war es noch viel waermer), nacht wurde es so kalt, des der benachbarte teich/bach/wieauchimmer zugefroren war. an dieser stelle moechte ich erwaehnen, das ich in kurzer hose und jacke geschlafen habe, waehrend philipp sich in seine gesamte garberobe huellte. mir ist es nach wie vor schleierhaft, wie er das alles angezogen bekommt, auf jeden fall schaetze ich meinen schlafsack jede sekunde, die ich in ihm schlafen darf!
nach dieser kalten nacht kann man sich die blicke der grenzer vorstellen, als wir ihnen die frage beantworteten, wo wir denn die nacht verbracht haetten. anscheineind ueberqueren ab und zu gringos die grenze zu fuss, die schlafen aber anscheinend nicht im zelt, diese warmduscher.
einem grenzer haben wir sogar ein paar woerter deutsch beigebracht, insgesamt wuerde ich diesen grenzuebertritt als einen der lustigsten beschreiben, den ich je erlebt habe. ein schweizer surfer mit tuerkis lackierten naegeln, der in haiti oder so lebt, erzaehlte uns von boliovianischen schamanen irgendwo im dschungel, die "materialisierung, das ist die hoechste art der heilung" betreiben. leider haben wir weder namen noch ort verstanden, aber natuerlich werden wir euch ueber alle erfahrungen mit materialisierung und schamanen auf dem laufenden halten, der typ hat uns echt neugierig gemacht.
an der grenze wurden wir schliesslich von miguel mit genommen, einem spanier, den die krise in spanien dazu gezwungen hatte frau und kind zu hause zu lassen und zum arbeiten nach chile zu ziehen. man hat ihm definitv angemerkt, dass er schon laengere zeit keine gesellschaft ausserhalb seines arbeitsplatzes hatte, wir sind ihm da grade recht gekommen.
mit ihm gings nach los andes der ersten "stadt" auf chilenischer seite. man wollte eine kleinigkeit essen. am ende hiess das, dass wir am ostersonntag, mittags um halb vier(wir dachten , es waere monntag, dieser irrtum wurde allerdings erst am abend ausgeraeumt) in einem restaurant sassen und einfach mal einen riesen berg fleich verdrueckten. um uns herum nur familien beimm osterschmaus, alles sehr festlich, unser erscheinungsbild passte da jetzt nicht so ganz ins schema.
in santiago angekommen, mussten wir uns erst mit dem oertlichen nahverkehr vertraut machen. bei der metro ist das echt einfach, die gbahnhoefe haben schilder und es gibt plaene. die metro ist die sauberste, die mir jemals untergekommen ist, die uebertrifft alles, wirklich! mit den bussen ist das allerdings so ne sache. die halte stellen haben nicht alle schilder, es existieren nicht wirkliche fahrplaene, allerdings meistern wir mittlerweile sogar diese huerden spielend, wenn es sein muss morgens um sechs nach der disco!
untergekommen sind wir wieder bei familie mendez, wo wir schon unsere ersten tage in lateinamerika verbracht hatten. hier werden wir wieder auf das allerbeste umsorgt und gepaeppelt. unsere weiteren plaene stehn in den sternen, hoechstwahrscheinlich gehts anch valparaiso! so jetzt gibts mittagessen, die zweite von vier mahlzeiten des tages. mahlzeit

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