Sonntag, 27. Mai 2012

Was ist eigentlich aus den zwei Typen geworden?

Nach langer Abwesenheit moechten wir uns Mal wieder melden und berichten, wie es uns ergangen ist.
Nach der Wueste haben wir das Altiplano (bolivianisches Hochland) überquert. Wir haben auf fast 5000 Metern übernachtet, haben Flamingos in ihrem natürlichem Lebensraum beobachten können und sind mit 150 km/h über Stein und Geröll gefahren. Wir haben die giftigen Dämpfe von Geysiren genossen und in heissen Quellen gebadet. In Bolivien begann wohl einer der erlebnisreichsten Abschnitte unserer Reise. Nach dem Hochland besuchten wir den Salzsee von Uyuni. Eine riesige weisse Flaeche. 12000 Quadratkilometer Salz, das hier noch von Hand abgebaut wird. In harter stundenlanger Arbeit wird die Oberfläche aufgebrochen und das Salz zu Haufen aufgeschüttet, damit es an der Luft trocknen kann, um leichter abtransportiert zu werden. Das Kilo Salz kostet danach 10 Cent. Trotzdem leben ganze Dörfer ausschliesslich von der Salzproduktion. Nach Uyuni, wo wir eine ganze Reisegruppe angehortet haben ging es mit 12 Leuten weiter nach Potosí. Die höchste Stadt der Erde beherbergt auch das grösste Silbervorkommen. Bolivien ist ein Land der Superlative. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der bolivianischen Protestkultur. Etwa 3 km vor der Stadt, fand unsere Busfahrt ein jähes Ende. Die Strasse war blockiert. Minenarbeiter forderten bessere Löhne und mehr staatliche Unterstützung. Also, alles aussteigen, die Blockade zu Fuss überwinden und mit dem Taxi in die Stadt fahren.Die höchste Stadt der Welt zeigte sich von ihrer besten Seite und noch immer sieht man den vorhandenen Reichtum, der Potosi um 1600 zu einer der wichtigsten und grössten Städte der Welt werden liess. So war Potosi in einer Reihe mit Paris, London oder Venedig zu nennen. Fasst alle spanischen Silbermünzen dieser Zeit hatten ihren Ursprung in Potosi. Es war zwar nicht das erhoffte El Dorado, für die spanische Krone, aber dennoch ein Gewinn. Von hieraus ging das Silber in die ganze Welt und auch das Dollar Zeichen hat hier seinen Ursprung. Natürlich konnten wir uns eine Besichtigung der Silberminen nicht entgehen lassen. Also Overall, Gummistiefel und Helm angezogen, dann auf zum Markt, um Dynamit, Coca und Wasser zu kaufen. Als Geschenk für die Arbeiter versteht sich. Die Besichtigung begann in der Raffinnerie. Hier konnten wir die Reinigung und den Purifikationsprozess begutachten. Faszinierend, was man mit Joghurtbechern, ein paar giftigen Chemikalien und Silberoxid anstellen kann. Von dort ging es weiter in die Minen. Es ist schwer dieses Erlebnis zu beschreiben. Es warr zu eindrucksvoll, um Einzelheiten zu nennen. Dennoch möchte ich es versuchen.
Es war stockfinster. Es roch nach Schwefel. Es war stickig. Es war heiss. Wir hatten das Glück Spanisch zu verstehen und waren somit in einer Dreiergruppe, geführt von einem ehemaligen Mineur. Immer tiefer krochen wir in den Berg. Mehr als einen Kilometer unter die Erde. Durch kleine Löcher, verschlungene Abkürzungen. Was, wenn jetzt die Decke herabstürzt? ABer wir vertrauen den Arbeitern und ihrer Erfahrung. Unser Guide erklärte uns die Erkundungs- und Funktionsweise der einzelnen Minenabschnitte. Dann gehen wir um eine Biegung, der Guide warnt uns noch kurz was jetzt kommen wird und es ist ploetzlich kaum auszuhalten. Bei 45 Grad über Null arbeiten die Mineure hier in 8 - 12 Stundenschichten. Der jüngste von ihnen ist 12 Jahre alt. Als wir selbst Hand anlegen durften, merkten wir, was für eine Schufterei das ist. Man darf sich keinen Fehler erlauben oder man rauscht der Lore hinterher in ein 50 Meter tiefes dunkles Loch auf die naechste Ebene. Der Atem geht schwer. Man bekommt kaum Luft. Das Tuch das uns vor dem kratzenden Staub schützen soll wird bald zur Last und wir ziehen es ab. Als wir beobachten, wie 3 Maenner eine der Loren bewegen (Leergewicht 250 kg, Voll 1 Tonne), entgleist sie. Routiniertes Gebrüll, Hektik, schon ist sie wieder auf die Gleise gehieft. Unvorstellbar, was Menschen leisten können. Tief unter der Erde, auf engstem Raum, nur mit dem spärlichen Licht ihrer STirnlampen gegen die Dunkelheit gewappnet. Dann geht alles wieder ganz schnell. Die andere Gruppe ist schon am Ende. Beeilung jetzt. Wir rennen durch die Stollen. Links, rechts. Würden wir jetzt den Guide verlieren, hätten wir echt Probleme. Zwar kann man leicht Norden und Süden, am Wachstum der Silberadern erkennen, aber welche ABzweigung führt nach draussen. Da erreichen wir eine Halle. Alles ist in blutigen Rottönen. Ein beeindruckendes Ende. Hier machen wir ein Abschiedsgruppenfoto. Es ist ein unbeschreibbares Gefühl endlich aus dem Stollen zu treten und wieder Tageslicht und Frischluft zu verspüren.
Von Potosi ging es weiter nach Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens. Das ist ein wenig kompliziert. La Paz ist nämlich nur der Regierungssitz. Von Sucre fuhren wir mit einem lebensgefährlichen Nachtbus nach Santa Cruz. Die Busse in Bolivien sind ein eigenes Thema. ¡Stellt euch einfach einen 30 Jahre alten Bus vor, der mit Reifen ohne Profil auf Schotterstrassen von 4700 Meter auf knappe 2000 hinabfährt und bei nacht Gebirgsketten durchquert. Nun fügt man der staubigen Strasse noch etwas Regen hinzu und schon hat man eine delikate Mischung, die sich eingentlich überhaupt nicht verträgt, aber überraschend gut funktioniert. Diese Busfahrt war besserals jede Achterbahn. Wenn man mitten in der Nacht aufwacht und merkt, dass der Buss quer zur Strasse steht und seine Spitze nurnoch 1 Meter von einem Abgrund enfernt ist, dann weiss man, dass man noch am Leben ist. Am Morgen erreichten wir den Regenwald um Santa Cruz. Eine hübsche Stadt, aber wenig zu unternehmen. Von Santa Cruz, wo Jakob dann die Kamera aus dem Bus geklaut wurde, fuhren wir weiter nach Cochabamba und von dort nach La Paz. Hier befinden wir uns immernoch und erfreuen wir uns bester Gesundheit. Jetzt begeben wir uns in die Stadt um unsere Tour in den Dschungel zu planen. Vielleicht findet Jakob heute noch Zeit über seine Erfahrungen mit der Bolivianischen Polizei zu berichten.
Hasta Papaya!

Dienstag, 1. Mai 2012

Best Story Ever

Gestern haben wir uns nochmal Fahrraeder gemietet um nicht unnoetig viel Geld fuer organisierte Touren auszugeben. Wir wollten zum Salzsee fahren und in einer Lagune baden gehen. So war zumindest der Plan. Mit einer ungefaehren Vorstellung wo wir hin muessen, zwei Mountainbikes, Stirnlampen, Ersatzschlauch, Reparaturkit und genuegend Wasser ausgestattet ging es also los. Raus aus San Pedro auf die Landstrasse, die an der malerischen Cordillera entlang fuehrt und radeln, radeln, radeln. Es war heiss. Es war trocken und machte unglaublich Spass. Wir wuessten, dass wir nach etwa 8 Kilometern abbiegen muessen, hatten aber keine Ahnung, wann wir besagte Kilometerzahl erreichen. Irgendwann erschien tatsaechlich ein Schild am Strassenrand, mit dem Namen der Laguna Cejar darauf. Erleichtert bald das ZIel erreicht zu haben, bogen wir also ab. Das Wort Strasse traf nun nicht mehr ganz zu. Von der SOnne festgebrannter Lehm, Sand, Kies und Schlagloecher wechselten sich im Sekundenrhythmus ab. In wenigen Augenblicken hatte sich die Landschaft von Steppe zur Wueste verwandelt und mittendrin zwei Gringos, die keine Ahnung von dem hatten, was sie da tun. Unermuedlich traten wir weiter in die Pedale. Unsere MTBs taten tapfer ihre Arbeit, denn in diesem Gelaende lag ihre Bestimmung. Doch vom Salzsee und der Lagune war weit und breit nichts zu sehen. Am Horizontr erschien STaub, wie ihn die Autos hier stetig aufwirbeln. Die Ursache konnte ja nur einer der klimatisierten Tourbusse sein. Folglich waren wir wohl auf dem richtigen Weg. Pause. Wasser. Wasser hat hier einen ganz anderen Wert. Fuer 1,5 Liter zahlt man fast 3 Euro. Jeder Schluck ist eine Wohltat und ein wenig zu verschuetten ist bereits masslose Verschwendung. Dann ging es weiter. Die "Strasse" sah schon lange nicht mehr so aus, als waere sie regelmaessig befahren. Aber wir dachten uns nichts dabei. Es war ja noch hell und wir hatten noch etwa 2 Stunden Tageslicht. Die Piste war nun immer oefter versandet und das Fahren fiel uns immer schwerer. Ploetzlich standen wir vor einer fuenf Meter hohen Sandduene. Offensichtlich die Ursache, fuer die maessige Instandhaltung der Piste. Uns blieb nichts anderes uebrig, als hinaufzuklettern, um uns wenigstens Mal zu orientieren, ob wir auch nur Ansatzweise in der richtigen Richtung unterwegs waren. Nein. Waren wir nicht. Am Horizont zeigte sich eine weisse Ebene. Der Salzsee. Etwas resigniert setzten wir uns in den Sand, tranken einen Schluck Wasser und genossen die Stille.
In der Wueste ist es still. Jeder kennt die Stille, wenn jemand etwas sagt, was offenbar die ganze Runde falsch verstanden hat. Ungefaehr so hoert sich die Wueste an. Die Stille ist schneidend und unangenehm. Man versucht ihr aus dem Weg zu gehen und ain Gespraech zu fuehren, doch das gelingt nicht immer und dann: STILLE. Wenn man sich aber dafuer Zeit nimmt...Ploetzlich bemerkt Brian, er hoere Stimmen. Ich schaue ihn schraeg an und ueberlege mir schon was ich darauf jetzt entgegnen solle, doch da waren tatsechlich Stimmen. Zumindest eine. Wir standen auf, hoben die Hand an die Stirn und versuchten den Ursprung der Stimmen auszumachen. Noch einmal die Situation: Wir, Duene, rundherum nichts als Sand und trockene Straeucher, hier und da ein einzelner Baum. Da sehen wir vielleicht hundert Meter entfernt einen Typ auf uns zustapfen. Vollkommen vor den Kopf gestossen blicken wir ihm entgegen und warten bis er unsere Duene erreicht. "Hola, que tal? Habt ihr hier drei Leute vorbeikommen sehen?" - "Nein? Hier ist weit und breit niemand ausser uns." - "Ok. Na die werden sich schon nicht verlaufen. Hallo, ich bin Miguel. Raucht ihr?"
In Chile trifft man sogar in der Wueste nur nette Leute und alle bieten ein Tuetchen an. Ein sehr gastfreundliches Land dieses Chile. Als er sich verabschiedete und wieder ins nichts stapfte, empfohl er uns noch einen Baum. Auf die Frage: Warum ausgerechnet dieser Baum?, antwortete er, wegen dem Sofa und dem besten Blick auf den Sonnenuntergang.
Das war der beste Sonnenuntergang meines Lebens.